Vorlagenummer

Stadt Reutlingen

51 Amt für Schulen Jugend u. Sport

Gz.: we/werg

07/108/01

27.09.2007

Beratungsfolge

Datum

Behandlungszweck/-art

Ergebnis

BVUA

VKSA

GR

11.10.2007

16.10.2007

25.10.2007

Vorberatung

Vorberatung

Entscheidung

nichtöffentlich

nichtöffentlich

öffentlich

 

 

Beschlussvorlage

Sportstättenplanung 2010

-          GR-Drucksache Nr. 06/093/01, 02/066/2

-          Anträge der Institutionen zum Haushalt 2007/2008 vom 08.11.2006 (GR-Drs. Nr. 06/140/12.01 Ziff. 39)

-          Antrag zum Haushalt 2007/2008 der Fraktion Die Grünen und Unabhängigen vom 14.11.2006 (GR-Drs. Nr. 06/140/05.01 Ziff. 42) 

 

 

 

Beschlussvorschlag

 

1.   Dem in der Anlage 1a dargestellten, fortgeschriebenen Maßnahmenkatalog für die Sportstättenplanung 2010 wird zugestimmt. Die darin enthaltene Priorisierung soll bis zur nächsten Aktualisierung der Sportstättenplanung bei den jeweiligen Haushaltsplanbera­tungen als Orientierung für die Aufnahme von Haushaltsansätzen dienen.

 

2.   Die Verwaltung wird beauftragt, gemeinsam mit der ARS den Text für eine öffentliche Ausschreibung für eine Sportkonzeption zu erarbeiten und dem Gemeinderat zum Beschluss vorzulegen.

 

Kurzfassung

 

Der Entwurf der aktualisierten Sportstättenplanung wurde mit dem organisierten Sport abgestimmt und soweit erforderlich ergänzt. Für die über die Sportstättenplanung hinausgehenden Bestandteile einer Sportentwicklungsplanung soll eine Ausschreibung erfolgen, deren Text gemeinsam mit der ARS erarbeitet werden soll.

 

 

 

 

Finanzielle Auswirkungen

 

HHJ

HHST

Betrag in €

über-/

außerplanm.

Auswirkung

Erläuterung

-/-

 

 

 

 

 

 

Deckungsvorschlag

 

HHJ

HHST

Betrag in €

Auswirkung

Erläuterung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Begründung

 

1.   Beteiligung des organisierten Sports

 

      Mit einstimmigem Beschluss des Verwaltungs-, Kultur- und Sozialausschusses vom 17.10.2006 wurde die Verwaltung beauftragt, auf der Basis des vorgelegten Entwurfs der Aktualisierung der Sportstättenplanung (GR-Drucksache Nr. 06/093/01) den organisier­ten Sport in der Stadt an der Sportstättenplanung zu beteiligen und dem Gemeinderat in der ersten Jahreshälfte 2007 eine abgestimmte Überarbeitung derselben zur Beschlussfassung vorzulegen.

 

      Am 06.11.2006 wurde daraufhin allen Reutlinger Sportvereinen, der Arbeitsgemeinschaft Reutlinger Sportvereine (ARS) und dem Sportkreis Reutlingen die Sportstättenplanung im Entwurf vorgestellt. Alle übrigen Nutzer städtischer Sportanlagen wurden schriftlich informiert und ebenfalls um Stellungnahme gebeten. Um Gelegenheit zu haben, die Planung in den einzelnen Vereinen ausführlich zu diskutieren, wurde vom Sport eine Rückmel­defrist bis 15.02.2007 gewünscht. Diese wurde ihm zugestanden.

 

      11 Vereine gaben Rückmeldungen ab. Diese wurden gesammelt und von der verwaltungsinternen Arbeits­gruppe hinsichtlich ihrer Notwendigkeit bzw. Dringlichkeit bewertet und der Maßnahmenkatalog entsprechend ergänzt.

      Dieser ergänzte Maßnahmenkatalog wurde am 20.03.2007 mit dem Arbeitsausschuss der ARS diskutiert und am 09.05.2007 erneut allen Reutlinger Sportvereinen erläutert.

 

      Alle Rückmeldungen aus diesem Beteiligungsverfahren, sowie auf Wunsch des ARS-Arbeitsausschusses erneut auch die bisher nicht realisierten Wünsche des organisierten Sports aus dem Beteiligungsverfahren 2002/2003, sind als Anlage 2a zusammengefasst, die Stellungnahme der ARS ist als Anlage 3 beigefügt.

 

 

2.   Veränderungen des Maßnahmenkatalogs gegenüber dem Entwurf Stand Oktober 2006

 

      Am Maßnahmenkatalog, wie er als Entwurf dem Verwaltungs-, Kultur- und Sozialaus­schuss im Oktober 2006 vorgelegt wurde, ergaben sich außer durch die Rückmeldungen der Vereine im Beteiligungsverfahren weitere Veränderungen durch die Haushaltsplanberatungen, durch notwendige Konkretisierungen des Gebäudemana­gements und durch Einzelbeschlüsse des Gemeinderats.

 

      Im aktualisierten Maßnahmenkatalog in der Anlage 1a (mit zugehörigem Plan) sind sämtliche Änderungen gegenüber dem Ent­wurf vom Oktober 2006 grau hinterlegt. Die maßgeblichen Gründe für diese Änderungen sind in Anlage 1b aufgeführt.

     

      Anlage 2b listet die Bedarfsmeldungen der Vereine auf, die nicht in den Maßnahmenkatalog aufgenommen wurden. Auch hier sind die jeweiligen Begründungen genannt.

 

 

3.   Durchführung/Beauftragung einer Sportentwicklungsplanung

 

3.1 Haushaltsantrag der ARS

     

      Die ARS hat zum Doppelhaushalt 2007/2008 der Stadt den Antrag auf Übernahme der Kosten einer Reutlinger Sportentwicklungsplanung mit einem Gesamtvolumen von 70.000,- € gestellt und dazu ein Angebot des Instituts für Kooperative Planung und Sportentwicklung (ikps) eingeholt (GR-Dr. Nr. 06/140/12.01, Ziffer 39). Der Gemeinderat hat vor dem Hintergrund des im Herbst 2006 vorgelegten Entwurfs der Sportstättenplanung diesen Antrag zurückgestellt und in die Sachberatung des Verwaltungs-, Kultur- und Sozialausschusses verwiesen.

 

3.2  Vorgehensweise und Ergebnisse einer Sportentwicklungsplanung

 

      Das Angebot der ikps orientiert sich in seiner Systematik am „Leitfaden für die Sportstättenentwicklungsplanung“ des Bundesinstituts für Sportwissenschaft (2000). Die dortigen 9 Planungsschritte werden zu 4 Modulen zusammengefasst:

     

Modul 1:    Bestandsanalyse: Bestandsaufnahme der Sport- und Bewegungsräume sowie    

                        der Sportanbieter

      Modul 2:    Bedarfsanalyse: die Sportnachfrage der Bevölkerung (Repräsentativerhebung mit ca. 8.300 Fragebögen)

      Modul 3:    Bilanzierung: die rechnerische Ermittlung des Bedarfs an Sportstätten

      Modul 4:    Maßnahmenkonzeption: Erarbeitung von Handlungsempfehlungen im Rahmen eines kooperativen Planungsprozesses

 

      Die erarbeiteten Handlungsempfehlungen werden in die Bereiche Infrastruktur, Organisation und Angebote differenziert.

 

3.3 Notwendiger Umfang einer möglichen Sportentwicklungsplanung

     

      Die Zurückstellung des Antrags der ARS in den Haushaltsberatungen erfolgte insbesondere vor dem Hintergrund folgender zu klärender Fragen:

 

      -     Etliche Bestandteile der 4 Module bzw. der Handlungsempfehlungen liegen durch die bisherige Arbeit der Verwaltung bereits vor (Bestandsaufnahme der kommunalen Sport- und Bewegungsräume, Bestandsaufnahme der Sportanbieter).

-          Die Ergebnisse der aktualisierten Sportstättenplanung haben im Hinblick auf die unternommenen Anstrengungen der Verwaltung zur Optimierung der Hallenbelegungen unmittelbare Auswirkungen auf das Modul 4 (Organisation).

-          Seitens der Verwaltung bestehen die schon 2002 formulierten grundsätzlichen Bedenken (GR-Dr. Nr. 02/66/02) hinsichtlich der Systematik und Vorgehensweise von Sportentwicklungsplanungen (Präferenzfaktoren, Prognose des künftigen Sportverhaltens, Repräsentativität und Subjektivität von Bevölkerungsbefragungen).

      -     Es besteht Unklarheit auch hinsichtlich der über die Angebotsleistungen hinausgehenden Kosten (zusätzliches Personal, Porti, Kopierkosten etc.).

 

      Unbestritten geht der Ansatz einer Sportentwicklungsplanung über eine reine Sportstättenplanung hinaus. Zum Austausch der unterschiedlichen Positionen und zur Klärung, welchen Umfang und welche Qualität die über die Sportstättenplanung hinausgehenden Bestandteile einer Sportkonzeption haben könnten, wurde deshalb ein erstes Gespräch zwischen der Verwaltung und der ARS/ikps am 16.05.07 geführt.

 

      Mit der von Herrn Dr. Wetterich von der ikps im Nachgang zu diesem Gespräch erstellten Übersicht aller möglichen Themenfelder des Maßnahmenkatalogs einer Sportkonzeption konnte nunmehr ein „Soll-Ist-Vergleich“ erstellt werden, der als Anlage 4 beigefügt ist. Darin ist dargestellt, welche Themenfelder nach Einschätzung der ARS noch zu bearbeiten sind bzw. welche Themenfelder nach Ansicht der Verwaltung durch eigene  Datenbestände oder Ergebnisse der Sportstättenplanung bereits erarbeitet sind. 

 

      Aus Sicht der Verwaltung bleibt im infrastrukturellen Bereich nur die wichtige Frage nach dem Bedarf an Freizeitspielfeldern und Bewegungsräumen (Sportgelegenheiten) offen.

      Im Organisationsbereich könnten Kooperationen von Sportvereinen untereinander und mit anderen Institutionen (insbesondere mit Schulen/Schulfördervereinen) sowie die Betriebsträgerschaft von Sportanlagen durch eine Sportentwicklungsplanung beleuchtet werden.

      Das gesamte, im Bereich der Vereine liegende Themenfeld „Angebote“ ist unbearbeitet. Abhängig von einer möglichen Neuausrichtung der Angebote ist in der Folge auch die seit 1996 gültige städtische Sportförderung auf ihre Passgenauigkeit zu prüfen und anzupassen.

 

3.4 Vorschlag für das weitere Verfahren

 

      In dem Gespräch mit der ikps wurde deutlich,

-          dass zwar ein alternatives Angebot durch das ikps erarbeitet werden kann, bei dem auf die vorhandenen Daten und Ergebnisse der Sportstättenplanung zurückgegriffen wird, dass über alle Leistungsmodule hinweg aber „Resterhebungen“ erforderlich sind und die Datenerfassung einen erheblichen Grundaufwand darstellt, der unabdingbar ist – unabhängig vom Umfang des in Auftrag zu gebenden Themenkatalogs;

-          dass zur wissenschaftlichen Validität besonders der Ergebnisse in den Stadtbezirken die Repräsentativerhebung nur unwesentlich verkleinert werden sollte;

-          trotz der Stichprobengröße Unwägbarkeiten bleiben (je kleiner die Stichprobe, d.h., der Stadtbezirk, desto größer können sich verfälschende Faktoren auswirken);

-          dass die auch in der Forschung nicht unumstrittenen Präferenzfaktoren zumindest „regionalisiert“ werden müssen, um nicht verfälschte Ergebnisse zu erhalten (die Stadt Stuttgart führt derzeit eine Sportentwicklungsplanung für zunächst 2 Stadtteile als Modellprojekt durch und wendet dabei keine Präferenzfaktoren an);

-          dass die Ergebnisse der „Berechnungen“ auf Bevölkerungsprognosen basieren und damit eine weitere instabile Komponente in die Sportentwicklungsplanung Eingang findet;

-          dass die personelle Begleitung auf Seiten der Stadt während der Projektlaufzeit auf ca. 0,5 Stellenanteile angesetzt werden muss (so auch in Stuttgart).

 

Grundsätzlich handelt es sich bei der Beauftragung einer Sportentwicklungsplanung um eine gutachterliche Leistung, für die eine öffentliche Ausschreibung nicht zwingend  durchgeführt werden muss. Dennoch sollte angesichts der möglichen Auswirkungen auf

die städtische Sportinfrastruktur und des doch erheblichen finanziellen Aufwands eine Ausschreibung durchgeführt werden (wie in anderen Städten, z.B. Stuttgart, auch). Außerdem eröffnet eine Ausschreibung die Möglichkeit, dass sich Anbieter um die Durchführung der Sportentwicklungsplanung bewerben, die ohne Präferenzfaktoren arbeiten.

 

Die Verwaltung sollte daher beauftragt werden, gemeinsam mit der ARS eine Reduzierung des Leistungsspektrums gegenüber dem ursprünglichen Angebotsentwurf zu erarbeiten und dem Gemeinderat einen abgestimmten Ausschreibungstext für eine öffentliche Ausschreibung zur Beschlussfassung vorzulegen. Die ARS ist mit diesem Vorgehen einverstanden. GR-Drs-Nr. 06/140/12.1 Ziffer 39 und 06/140/05.1 Ziffer 42 sind damit erledigt.

 

 4.  Einbindung der Sportentwicklungsplanung in die Stadtentwicklung

 

Im Hinblick auf den demografischen Wandel muss das allgemeine Stadtentwicklungsziel zur optimierten Ausnutzung von vorhandener Infrastruktur auch auf die Sportentwicklungsplanung übertragen werden. Hierzu ist z.B. eine enge Verzahnung der Sportstättenplanung mit der Fortschreibung des Flächennutzungsplans erforderlich.

 

Eine moderne Sportentwicklungsplanung bildet zudem einen Bestandteil der gesamten Stadtentwicklungsplanung. Dabei ist zu beachten, dass in den zurückliegenden Jahren ein Wandel im Sportverständnis der Bürger eingetreten ist. Sport wird zunehmend individuell betrieben, ohne die normierten Sportstätten zu nutzen. Offen zugängliche, multifunktionale und vernetzte Sportgelegenheiten tragen kostengünstig zur Gestaltung einer sport- und bewegungsfreundlichen Stadt bei und bieten Menschen aller Alterstufen in unterschiedlichen Lebensbereichen Gelegenheit für körperliche Aktivitäten. Auch dieser Aspekt ist für die künftige Flächennutzungsplanung beachtlich.

 

 

 

 

 

 

gez.

 

 

Robert Hahn

Bürgermeister

 

 

 

 

Anlagen:

1a  „Maßnahmenkatalog für die Sportstättenplanung 2010“ – Fortgeschriebenes Entwicklungskonzept mit Plan

1b Korrekturen gegenüber dem Maßnahmenkatalog vom Oktober 2006 und deren Begründung

2a  Rückmeldungen der Sportvereine zur Sportstättenplanung 2006/2007 und nicht realisierte Rückmeldungen aus dem Beteiligungsverfahren 2002/2003

2b  Nichtberücksichtigte Wünsche der Vereine (2006/2007) mit Begründung

3    Rückmeldung der ARS vom 05.05.07

4    Mögliche Themenfelder einer Sportentwicklungsplanung 

 

 


Anlagen:

Vorlage, Anlage 4.docVorlage, Anlage 1b.docVorlage, Anlage 2a .docVorlage, Anlage 2a.docVorlage, Anlage 2b.docVorlage, Anlage 3.pdfVorlage, Anlage 1a.docAnlage 1 Entwicklungskonzept 2007.jpg